Meine ersten Versuche 

In diesem Kapitel möchte ich einen Einblick in die verschiedenen Entwicklungsphasen geben. Jeder der sich auf den Weg zum Selbstbau eines Mendocino Motors macht wird irgendwann auf dieselben Fragen, die sich mir gestellt haben. Vielleicht finden Sie hier Anregungen undAntworten oder auch nur die Feststellung, dass es mir nicht anders erging als anderen Bastlern.

 

Die Themen:

Die ersten Versuche

Das Demonstrationsmodell

Das Minimodell

Der Mendocino Motor 4-flächig waagerecht

Der Mendocino Motor 5-flächig waagerecht

Der Mendocino Motor 6-flächig waagerecht

Der senkrechte Mendocino Motor

Der historische Motor von Daryl Chapin 

 

 

Die ersten Versuche

Über das Internet erhält man bisweilen interessante Anregungen. Eine davon war bei mir der Mendocino Motor. Beim ersten Hinsehen war ich zunächst begeistert, dann überzeugt den Motor auch bauen zu können und schließlich entschlossen, das in die Tat umzusetzen. Wenn man aber so ganz ohne die Erfahrungen anderer auskommen muss, dann wird man eine Reihe Fehler begehen, die beim Bau dieser Motoren möglich sind.

 

 

    

Beinahe alle Fragen musste ich nach dem trail and error Verfahren lösen: welche Solarzellen, welche Magnete, welchen Draht, welche Windungszahl, welche Materialien zum Bau von Achse, Rotor und Gestell. Beim dem ersten Versuch entschied ich mich für Bauteile aus Holz. Das hatte den Vorteil, dass man schnell irgendwelche Änderungen vornehmen konnte. Der simple Aufbau des MendocinoMotors sollte keine Schwierigkeiten beinhalten.

 

 

 

    

 

Zuerst stellte sich mir die Frage nach den Magneten. In den Anfängen bin ich noch davon ausgegangen, dass nur radial magnetisierte, also eine Pol innen und der andere Pol außen, verwendet werden könnten. Als Neodymmagnete kann man so gut wie keine radiale Magnetisierung erhalten. Also blieben nur Ferritmagnete in der bezahlbaren Auswahl. Von der Bonner Magnetfabrik konnte ich diese Magneten beziehen. Da diese Magnete aber nicht zu den Standardmagneten gehörten, mussten sie als eigener Auftrag hergestellt werden. Erst bei weiteren Versuchen kam ich dahinter, dass man auch standardmäßige axial magnetisierte Rundmagneten hätte verwenden können. Eine Verdrehung eines Magneten zum anderen um 180 Grad um die Hochachse hätte dieselben Abstoßungseffekte gehabt.

 

 

    

Ein weiteres Beispiel für die Qual der Magnetwahl stellten die Achsen dar. Welche Achsenstärke und welchen Magnet-Innendurchmesser konnte man nehmen. Bekanntlich passt Maß auf Maß nicht. Eine 4mm Achse passt nicht in ein 4mm Loch. Da die Neodym-Magneten mit einem weitgehend passgenauen 4mm Loch  gefertigt werden, kann nur die Achse dem Magnet-Innendurchmesser angepasst werden. Aber Achsen kann man nicht so ohne weiteres anpassen. Das sagt sich so leicht dahin. Das geht nur mit einer Drehbank. Da die in Metallwaren Geschäften erhältlichen 4mm Alustangen oder -rohre nicht in die 4mm Öffnungen der Magnete passten, habe ich nach Rohren gesucht, die garantiert Untermaß haben. Rohre bieten zudem den Vorteil, dass man eine Kugel in der Spitze nicht extra zentrieren muss. Das sind polierte oder geschliffene Edelstahlrohre. Aber bei beiden Edelstahlrohr- Produzenten in Deutschland gab es die Rohre nur ab einer Mindestbestellgröße ab 150€ + Steuer und Versand zu beziehen. Deshalb entschied ich mich zunächst für eine gedrehte Passung.

 

Als schließlich der Rotor in dem Gestell wie geplant schwebte, kam die Ernüchterung. Der Rotor vollzog bestenfalls eine Drehung um geschätzte 30 Grad und drehte dann wieder in die Ausgangslage zurück. Die Fehlersuch begann: Hatte ich die richtigen Solarzellen? Hatte der Rotor an der Anschlagwand zu viel Reibung? War der Rotor nicht gut genug ausgewuchtet? War der Basismagnet zu schwach? Passten Windungszahl und Drahtstärke nicht zueinander? Hatte ich bei dem Umlaufsinn der Wickelrichtung einen Fehler gemacht? Erzeugten die Trägermagneten eine eigene Lorentzkraft in den Windungen und die wirkte der Lorentzkraft des Basismagneten entgegen? War der Rotor zu schwer und ich hatte ein Massenträgheitsproblem? Gab es einen Punkt, an dem beide Spulen gleichzeitig angezogen wurden - und wenn ja - warum?  

Uns so reihte sich Problemchen an Problemchen. Ich dachte anfangs, den Mendocino Motor baue man mal so eben..., und hatte mich gerade mal so eben geirrt. Es ist mehr die Vielzahl der kleinen Fragen, die das eigentliche Problem sind. Mit ein wenig Erfahrung verschwinden die Fragen und es geht schließlich nur noch um Qualitätssteigerung uns um das Design.

 

Hier noch einige Bilder vom Bau des ersten Mendocino Motor.

    

DieVerdrahtung

 

 

    

Das Gestell

 

 

    

Der Rotor

 

 

 

 

 

Das Demonstrationsmodell

    

Ein Mendocino Motor wird durch die begrenzte Reichweite des Magnetfeldes nicht beliebig groß sein können. Dennoch wollte ich einen möglichst großen Mendocino Motor bauen, um die Wirkungsweise vor Schülern verdeutlichen zu können. Deshalb sollte das Demonstrationsmodell mehrere Eigenschaften besitzen. Er sollte groß genug sein, damit man ihn auch von den hinteren Schulbänken noch gut erkennen kann. Zudem sollte er an einer Stirnseite zu öffnen sein, um das Innenleben betrachten  zu können. Und schließlich sollte er nur langsam drehen.

 

 

 

    

Bei dieser Größe - der Rotor ist 235mm lang, das Gestell 450x220mm - hätte ein super starker Magnet verwendet werden müssen. Sehr starke Neodymmagnete haben aber ihre Tücken. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich an Neodymmagneten schmerzhafte Quetschungen holen kann.  Das schloss einen Einsatz in der Schule aus. Wenn die Magnetkraft also nicht bis in die Spule reicht, dann muss die Spule eben näher zum Magneten hin. Die Idee des sechsflächigen Mendocino Motors war geboren.

Die Rotorgröße hat noch einen anderen Nachteil. Wenn man die Spulen - wie bei vielen vierflächigen Modellen -außen um den Rotor verlegt, dann wird der Draht  sehr lang und mit der Drahtlänge steigt der Widerstand. Eine geringere Stromstärke bewirkt aber eine geringere Lorentzkraft. Verwendet man dickeren Draht und eine hohe Windungszahl, dann bekommt man ein Masseträgheitsproblem. Der Motor würde sich durch die sehr schwache Lorentzkraft nicht in Bewegung setzen. Die Windungen mussten also nach innen und mussten kürzer werden, damit man aus weniger Draht dennoch viel mehr Windungen auf die Spule bekommt.

 

 

 

Ein weiteres zentrales Problem des Mencocino Motors ist das Auswuchten des Rotors. Da er im Wesentlichen von zwei Schwebelagern gehalten wird, müsste man jede Seite einzeln auswuchten. Das geht aber nicht, weil beide Seiten durch die Achse miteinander verbunden sind. Da ist einfach ein Bauchgefühl für die Verteilung der Massen und deren Korrektur nötig. Versuch und Irrtum und viel Zeit  - oder Glückstreffer - bringen das Ziel näher. Unter den Spiegelglas-Strinseiten sitzen Plexiglasscheiben mit Gewindlöchern. Mit Schrauben konnte ich den Rotor zuerst gut auswuchten. Die lasergeschnittenen Abschlussplatten wurden danach aufgeschraubt und haben das Auswuchten nicht mehr beeinflusst.

 

 

    

Da das Gewicht des Rotors mit ca 2250gr recht hoch ist, musste ich doppelte Magneten verwenden, damit der Rotors schweben konnte. Das hatte aber den Vorteil, dass sich die Magneten auf den Edelstahlachsen wie von selbst festhalten. (Eine Erklärung habe ich nicht.) Einzeln kann man sie leicht verschieben, aber im Doppelpack nur mit viel Kraft. So braucht man die Magneten nicht verkleben.

 

 

    

Eine zentriert eingesetzte Kugel ist wichtig. Schon eine geringe Abweichung von der Mitte erzeugt aus dem Drehpunkt ein Drehfeld, auf dem die Kugel schleift. Dieser Motor blieb wegen der zu großen Reibung im Drehpunkt stehen, aber mittels Drehbank und Zentrierbohrer konnte ich Murphy's Gesetz an diesem Punkt außer Kraft setzten.

Dieses Demonstrationsmodell hat mir viele Erkenntnisse gebracht. Seitdem baue ich fast nur noch sechsflächige Mendocino Motoren. Sie laufen einfach schneller und ruhiger als die 4-flächigen. Für alle, die mich fragen wollen, wie lang ich an diesem Modell gearbeitet habe, gebe ich die ernüchternde Antwort: Die Irrwege nahmen bestimmt 6 mal so viel Zeit in Anspruch wie die eigentlich Fertigung. Der erste und der letzte Handgriff lagen einige Monate auseinander.  

 

Das Minimodel

Mit dem Demonstrationsmodell hatte ich einen recht großen Mendocinomotor gebaut. Wieder wurde ich durch ein Modell bei youtube 

 

(http://www.youtube.com/watch?v=BLBq8E_KfYg)

 

inspiriert, mich mit der Konstruktion eines möglichst kleinen Motor zu beschäftigen. Die Miniaturisierung scheiterte zunächst an den geeigneten Solarzellen. Schließlich fand ich im Modellbau bei den Carbonwerken Solarzellen der Größe 40 x 20 mm. Leider waren diese Solarzellen nur mit einer sehr dünnen Verglasung versehen.Das führte zu vielen Bruchstücken. Aber mit der Zeit stellte ich mich auf die Zerbrechlichkeit und das minimale Gewicht ein. Der Bau gelang. Zwar ist mein Modell nicht so klein wie in dem o.a. Video, aber es ist auch nicht wesentlich größer. 

 

http://www.youtube.com/watch?v=OzyIUnMktB0&feature=related

    
    

Mendocino Motor 4-flächig waagerecht

 

Nachdem ich einige Modelle mit außenliegenden Windungen gebaut hatte störten mich drei Dinge.

- Zum einen passten die Kupferdrähte farblich nicht zu den verwendeten Edelstahlachsen und - schrauben und nicht zuden verchromten Neodymmagneten.

- Des Weiteren liefen die vierflächigen meistens nicht von selbst an 

-Schließlich machte man die gesamteAuswuchtung zu nichte, wenn man aus irgend einem Grund die frei liegenden Drähteverbog.  

 

Die Lösung dieser Probleme lag in der Verlegung der Windungen in den Rotor hinein. Wenn man zudem die Spulen mit etwas Heißkleben ummantelt, dann kann auch eine große Zentrifugalkraft die Drähte im Innern nicht mehr verbiegen. Der Erfolg veranlasste mich zu der Entscheidung, alle Motoren so zu konstruieren, dass die Windungen im Innern des Rotors liegen.


Und insgeheim hatte ich einen weiteren diebischen Gedanken. Betrachter mit physikalisch Kenntnissen sahen sich meine Motoren an und erkannten zeitnah, warum sich der Rotor dreht: Solarzelle (=Strom) + Spule + Magnetfeld = Dreifingerregel also Drehung. Wenn es also gelänge, die Windungen zu verbergen und die seitlichen Trägermagneten so auszulegen, dass sie 2 gleichsinnige Magnetfelder aufbauten, dann würde sich der Rotor auch ohne die Basismagneten drehen. Man sähe also einen Rotor schweben, der sich wie von Geisterhand dreht. Ich war auf die Erklärungen meiner physikalisch oder technisch angehauchten Mitmenschen gespannt.

Das war die Triebfeder für den Bau von mehreren Versuchsreihen mit insgesamt etwa 25 vierflächigen Modellen.Schließlich hatte ich die Herstellung im Griff. Der Bau eines vierflächigen Mendocino Motors mit innenliegenden Windungen, der von selbst anläuft und der auch dann noch dreht, wenn man ihm den Basismagneten entzogen hatte, konnte miteiner gewissen Sicherheit wiederholt werden. 

Nach einer Zeit, in der ich mich vorwiegend mit der Weiterentwicklung sechsflächiger Motoren beschäftigt habe, kam der Gedanke, den Bau des Mendocino Motors zu vereinfachen. Es sollte doch möglich sein, die Materialien so auszuwählen und vorzubereiten, dass auch der technisch weniger gut Ausgestattete sich seinen Mendocino Motor bauen konnte. Dabei wollte ich die Technik der innenliegenden Spulen keinesfalls ändern. Eine CD mit selbst-erklärenden Bildern sollte anstelle einer Text gestützten Bauanleitung der Weg zum Erfolg ebnen. Inzwischen liegen mir die Erfahrungsberichte etlicher "Probanten" vor, die mit meinen Bausätzen 4- bzw. 6-flächige Modelle gebaut haben. Deren Urteil ist eindeutig: Die Bausätze sind ausgereift und durchdacht.

 

MM 5-flächig waagerecht

Französische Freunde präsentierten einen 5-flächigen, besonders großen Mendocino Motor. Zunächst stutzte ich über die ungerade Zahl der Solarzellen und eine Bauweise, die einen Blick durch das Innere des Motors gewährte. Und doch sah man keine Windungen. Der Aufbau musste also komplett verschieden von denen meiner bisher gebauten Motoren sein. Die 5-eckige Form gefiel mir auf den ersten Blick sehr gut. Zudem hatte er die sehr angenehme Eigenschaft, majestätisch langsam zu laufen. Bei meinem großen Demonstrationsmodell ist das ebenfalls so, aber klein gebaut bekommt die 6-flächigen stets eine beachtliche Geschwindigkeit. Die gediegene Bewegung des 5-flächigen hatte etwas....

 

 

    

Diese Eigenschaft wollte ich auf meine kleinen Modelle übertragen. Der Motor sollte genug Drehmoment entwickeln, um von selbst anlaufen zu können, aber dann doch nicht so schnell werden, dass man seine Konturen während der Drehung nicht mehr wahrnehmen kann.  

Jede Solarzelle versorgt eine Spule mit Strom und die Spulen müssen wegen des Gewichtes unbedingt baugleich sein. Ohne ein standardisiertes Verfahren zur Herstellung der Spulen und der gleichmäßigen Gewichtsverteilung würde der Bau keinen Erfolg haben. Eine Wickelapparatur war also der erste Schritt. Die Windungszahl, die Form der Spulen und das Verbauen der Spulen wurden zu einer ziemlich nervigen trail and error Angelegenheit. Immer wieder hatte ich derartigen Unwuchten in den 5-flächigen Rotoren, dass ich sie auch mit meinen größten Gewichten nicht ausgleichen konnte. Anfänglich hingen meine Rotoren wie nässe Säcke in ihrem Magnetfeld. Das Ziel, dass sie nicht zu schnell sein sollten, hatte ich zwar erreicht, aber doch nicht so, wie ich es wollte... 

Ein erstes Auswuchten des Rotors vor dem Einbau der Solarzellen brachte die deutliche Verbesserung. Das Auswuchten eines Körpers mit einer nicht punktsymmetrischen Grundfläche hatte es auch in sich. Die bisherigen Auswuchtverfahren geradzahliger Flächen mussten geändert weden. 

Immer wieder hatte ich relativ große und zeitraubende Probleme mit dem Auswuchten. Das lag in erster Linie daran, dass ich die Massen mit dem Augenmaß nicht gleichmäßig verteilen konnte. Und zudem lagen bei der ersten Bauweise die anziehenden und abstoßenden Teile zweier Spulen recht ungünstig zueinander.  Bei Streulicht konnten beide Kräfte nahezu gleich groß sein und ein unbefriedigendes Laufverhalten erzeugen. Deshalb habe ich den Innenaufbau mit neuen Bauteilen so verändert, dass eine gleichmäßige Massenverteilung vorgegeben ist. Auch die Herstellung und den Einbau der Spulen konnte ich zu einem Kinderspiel vereinfachen. Nun steht einem Bausatz kein nennenswertes Problem mehr im Weg. 

 

 

 

    

Als ich dann die Unwuchtprobleme leidlich in den Griff bekam, lief der Motor doch zu schnell. Dann brachte mich die hochglänzende Bodenplatte auf eine glänzende Idee. Wenn ich die der induzierenden Solarzelle übernächst nachlaufende Solarzelle indirekt über die Bodenplatte mit Licht versorge, dann hat der Motor aufgrund seines Aufbaus bei sehr hellem Licht eine Bremswirkung und bei Streulicht entfällt dieser Effekt weitgehend. Nach einigen Spielereien mit den Lichtverhältnissen entschloss ich mich doch, den Motor mit der obersten Solarzelle zu steuern. Dann ist man nicht auf spezielle Lichtverhältnisse angewiesen. 

Versuch Nr.8  war der erste 5-flächige Motor, der so lief, wie ich es wünschte:  

- er lief von selbst an

- er drehte schön und langsam

- er hatte keine Schwankungen (auch wegen der geringen Geschwindigkeit)

- er ist ein echter Blickfang.

 

http://youtu.be/hcapFWYbJpk

     

Mendocino Motor 6-flächig waagerecht 

Durch das Demonstrationsmodell wurden die Vorteile einer sechsflächigen Bauweise offensichtlich. Deshalb habe ich lange Zeit die Weiterentwicklung der "Sechszylinder" betrieben. Das Prinzip ändert sich nicht wesentlich, aber die Probleme, die 1200 Windungen (später 900 Windungen mit einem etwas dickeren Draht)  im Innenleben des Rotors unterzubringen sind ungleich größer. Somit nimmt auch die Herstellungsdauer gegenüber einem vierflächigen um den Faktor 2,5 zu. Zudem stellt die gleichmäßige Massenverteilung bei dem engen Raum eine echte Herausforderung dar. Gelingt die nicht, so werden manchmal einige Stunden Arbeit nicht durch den Erfolg belohnt. 

 

 

    

Die anfänglichen Problem lagen in der Herstellung der gleichseitigen Sechsecke. Da sie wegen der Unwuchtprobleme super genau sein müssen, habe ich zunächst weit mehr Schrott als Brauchbares produziert. Schließlich half nur noch professionelle Hilfe: Eine Firma (Acrylformen Peer Bartel in Berlin), die Plexiglas per Laser schneidet. Mit dieser Entscheidung wurden auch die Gestelle anschaulicher und legten die Rolle als Funktionsgegenstand ab. Die geschnittenen Flächen sehen aus wie Echtglas. Und auch Formengebung kannte kaum noch Grenzen.  

 

Eine weitere Schwachstelle blieb dieVerklebung der Anschlags- und Trägerwand. Sie musste 100% senkrecht stehen und ebenso parallel zu der Außenkante. Wenn man in diesem Punkt nicht die Senkrechte bzw. die Parallelität trifft, dann wandert der Rotor während der Drehungen aus seinem Drehpunkt heraus und wird durch die Magnetkraft wieder in die Drehpunktlage zurück gedrückt. Die Bewegung des Rotors wird schwankend und ungleich förmig. Für diese Aufgabe habe ich eine sehr präzise Lehre von einem ehemaligen Schüler bauen lassen. Das hatte zur Folge, dass die Position der Wände jetzt einwandfrei zu bestimmen war. Leider hielt die Verklebung nicht alle Postwege. Ab und zu mussten Motoren nachgebessert werden. Erst als nach der einwandfreien Verklebung eine zusätzliche Verschraubung den Sitz der Wände verstärkte, gab es keinerlei Beanstandungen mehr. 

 

Eine weiter Verbesserung brachte die integrierte Unterbringung der Trägermagneten mit sich. Dadurch verlängerte sich der "Radstand" um 22mm. Die Laufruhe der Rotoren vebessert sich dafür deutlich. Wieder drängt sich ein Vergleich zu den Autos auf. Ein Sechzylinder läuft ruhiger als ein Vierzylinder und eine Limosine mit langem Radstand schluckt leichte Unebenheiten der Fahrbahn. In einem Kleinwagen spürt man die Unebenheiten deutlich mehr. Kein Mendocino Motor kann perfekt ausgewuchtet werden. Auch die Ring-Magneten haben nicht in alle Richtungen dasselbe Anzugsmoment. Dadurch kommt es bei jedem Mendocino Motor bei irgendeiner Drehzahl zu kleinen Schwankungen. Diese schluckt ein Motor mit weit auseinander liegenden Trägermagneten deutlich besser weg.

 

 

 

    

Die Entwicklung der Mendocino Motoren bringt es mit sich, dass man immer wieder neue Ideen bekommt. Eine davon war die Verwendung von CKF Materialien. Der Ersatz der Edelstahlachse durch eine CFK Achse verlieh dem Motor noch ein adrettes Aussehen. Jedoch bewirkte der Ersatz der Spiegelflächen durch CFK Platten, dass man den Rotor als konturlosen Klotz wahrnahm. Letztlich war das ein leicht zu korrigiernder Irrweg.

 

Noch ein Wort zu den Bauzeiten. Mit der Erfahrung von gut 200 Motoren, die ich mit Schülern und selbst daheim gebaut habe und der Hilfe von einigen Montagehilfen beträgt die Bauzeit dennoch etwa 3 - 4 Stunden für ein Modell. Das liegt sicherlich auch an der Auslegung des 6-flächigen Motors, bei dem ich eine größtmögliche Antriebskraft erzielen möchte. Diese wird nur mit den innenliegenden Wicklungen erreicht. Und deren Herstellung auf engem Raum ist eine knifflige Angelegenheit. Zudem ist das Auswuchten des Rotors bei mir zur Herausforderung geworden. Darin liegt das ruhige und stabile Laufen meiner Motoren begründet.

 

Dieser 6-flächige waagerecht schwebende Mendocino Motor ist sehr ausgefallen und hat besondere Laufeigenschaften. Er läuft bei heller werdendem Licht selbstständig an, dreht in mittleren und hohen Drehzahlen völlig stabil und erhält die Drehung auch noch, wenn nur noch der Schein eines großen Teelichtes auf die Solarzellen trifft. In dieser Hinsicht sind diese Mendocino Motoren einzigartig. 


Senkrechte Mendocino Motoren

Warum muss ein Mendocino Motor waagerecht schweben?

Die Antwort ist einfach: ...muss er nicht...


Es ist nicht meine Erfindung, den Mendocino Motor in die Senkrechte zu stellen. Schon 1962 (siehe KapitelGeschichtliches) gab es Modelle, die senkrecht standen. Diese Motoren hielten aber einen fast 30-jährigen Dornröschenschlaf. Ein solches Modell habe ich erstmalig bei youtube bewundert. Dennoch war mir eines recht schnell klar: Jede Metallspitze, die auf irgendeiner Fläche reibt, wird sich mit den Drehungen in das Lager einschleifen und bald die Drehfähigkeit verlieren. Die Lorentzkraft, die einer Strom durchflossenen Spule im Magnetfeld eine Bewegungskraft erfahren lässt, ist ein sehr kleine physikalische Größe. Sie ist sogar so klein, dassselbst ein Leichtlauf-Kugellager schon relativ große Drehwiderstände aufbaut. Nur mit dem optimalen Verhältnis aus Windungszahl und Drahtdurchmesser bringt man einen senkrechten Mendocino Motor in einem Kugellager zum Drehen - wenn genügend Licht im richtigen Winkel einfällt.


Die viel bessere Möglichkeit, die Widerstände im Drehlager zu minimieren besteht in der Nutzung eines Saphir-Kalottenlagers. Ein solches Lager besteht aus einer Saphir-Kugel von 1mm Durchmesser, die in einer Saphir-Halbschale von 1mm Radius dreht. Beide Edelsteine werden dann in CNC gefräste Edelstahlkomponenten eingepresst. Das hört sich teuer an - und das ist es auch. Wegen der geringen Stückzahl liegt der Preis eines Lagers bei ca. 35,-- Euro. Aber es war den Versuch wert, eine kleine Anzahl der Kalottenlager herstellen zu lassen. Dann drehen diese Motorenauch im Schein einiger Kerzen. Mit einem Kugellager wird das nicht gelingen.

 

 

 

 

    

Aber...ein solcher Motor lief im Sonnenlicht so schnell, dass ich Angst hatte, er würde sich durch die Fliehkräfte zerlegen. Ich stelle ihn nur dort hin, wo er bei geringem Lichteinfall in Bewegung bleibt. Einer der Plätze ist mein Schreibtisch. Mit dem Anschalten der Schreibtischlampe dreht sich auch der Mendocino Motor. Ansonsten kann man die Drehgeschwindigkeit des Rotor durch die Ausrichtung zur Hauptlichtquelle (= Drehen des Gestells um die Hochachse) gut bestimmen.

Inzwischen habe ich alle Versuche ad acta gelegt, mit Kugellagern zu experimentieren. Deren Laufwiderstand ist bei meinen ca. 140 gr schweren Rotoren einfach zu groß. Sie laufen dann nur bei sehr hellem Licht. Die Kalottenlager gewährleisten durch ihren geringen Drehwiderstand auch ein Drehen des Motors bei geringeren Lichtmengen.

Die Verwendung von Kalottenlagern erfordert ein sehr präzises Einpassen des Spurzapfens in die Achse. Mittels einer Drehbank muss man die Achsen ablängen, um so einen senkrechten Sitz des Spurzapfens in der Achse zu gewährleisten. Dafür wird man aber mit einem herrlich leichtdrehenden senkrechten Mendocino Motor belohnt.